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 Betreff des Beitrags: Fakten statt Spekulationen: Lebensraum der Wildchinchillas
BeitragVerfasst: Fr Sep 21, 2012 0:11 
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Diplom Chin
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Registriert: Fr Sep 03, 2010 0:02
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Huhu,

das Thema wurde gerade in folgendem Thread angesprochen und es scheint mir, dass es sinnvoll wäre, an zentraler Stelle mal etwas genauer darauf einzugehen:
viewtopic.php?f=2&t=13486

Um es vorwegzunehmen, es ist leider nicht so einfach, dass der Lebensraum der Chinchillas einfach nur eine trockene Wüste wäre oder eine üppig blühende Kräuterwiese. Ich kann mich zwar auch nur auf die Fakten beziehen, die wir von den wenigen Chinchillas noch wissen (etwa 100-150 Jahre früher hätten wir wohl eine viel bessere Ausgangslage zur Erforschung ihrer Lebensweise gefunden) und will daher auch Daten von Degus heranziehen, soweit dies sinnvoll und legitim ist - die beiden Arten teilen sich ja teilweise den Lebensraum, Degus kommen aber tendenziell eher in feuchteren Lebensräumen und daher auch südlicher vor.

Herkunft und Verbreitung der Langschwanz-Chinchillas
Hier fangen bereits die ersten Missverständnisse an. Oft liest man, selbst zum Beispiel im anerkannten Grzimeks Tierleben, dass Chinchillas aus den hohen Anden kämen aus Höhen von mehr als 3000 m. Das ist aber nur teilweise richtig und hängt wohl damit zusammen, dass im Zuge der Ausrottung der Chinchillas viele Autoren es zu wenig genau nahmen, die beiden Arten zu unterscheiden, denn es gab immer schon Literatur, welche diesen Unterschied machten. Die Langschwanz-Chinchilla ist im Prinzip eine Küstenchinchilla, sprich sie kommt in den niedrigen Lagen Chiles vor und bewohnt das nicht so hohe Küstengebirge, das als Parallelgebirge zu den Anden verläuft. Hier sind sie bis an den Fusse der Anden auf 400 bis 1650 m Höhe zu finden (Redford & Eisenberg 1992; Spotorno et al. 2004). Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet reichte einst von von etwa 28° bis 32° südliche Breite, im Vergleich, der gewöhnliche Degu kommt von 28° bis 35° südliche Breite vor, dafür ist kommen sie nur bis in Höhen von etwa 1200 m vor. Die Kurzschwanzchinchilla dagegen ist deutlich näher am Äquator zu finden, kommt aber dafür in den deutlich höheren und daher auch kühleren Lagen vor: sie bewohnen die Puna (Cofre & Marquet 1999), eine regenarme, wüstenähnliche Hochgebirgslandschaft, welche geprägt ist von wenig Niederschlag und extremen Temperaturen (im Plus- und Minusbereich). Sie kommen also deutlich über 3000 m vor.

Klima und Vegetationszone
Die Chinchillas bewohnen den südlichen Teil Nordchiles bis in Regionen von Mittelchile (um die Hauptstadt Santiago herum, welche etwa auf 33° südl. Breite liegt). Diese Region ist bekannt als kleiner Norden und ist im Gegensatz zum grossen Norden keine Wüste und daher auch deutlich artenreicher, was die Tierwelt angeht. Die Region hier ist geprägt von der Strauchsteppe und von Hartlaubwälder, wie sie bei uns im Mittelmeer üblich sind. Vergleichbare Vegetationen sind daher die Macchie oder Garigue:
http://de.wikipedia.org/wiki/Garigue
Mit anderen Worten handelt es sich um einen Lebensraum, der zwar eher wenig Niederschläge erhält, diese meist gehäuft während einer Saison auftreten (im Mittelmeer ist es der Winter). Es fällt aber genügend Regen, so dass Sträucher oder gar Wälder wachsen können, sprich es handelt sich um keine Wüste oder Steppe (Graswüste), sondern um eine Savanne oder eben Hartlaubwald. Als Hartlaub bezeichnet man übrigens immergrüne an Trockenheit angepasste Gehölze, zu denen unter anderem Bäume wie Eichen, Olivenbäume, Zitrusbäume, japanische Wollmispeln oder Akazien gezählt werden können. Die Blätter dieser Arten sind oft steifer und fühlen sich eher ledrig an oder aber im Falle der Akazien können sie beispielsweise auch viele feine Fiederblättchen bilden, die je nach Bedarf zusammengeklappt und geschützt werden können.

Klimaeinflüsse und Lebensraum der Chinchillas
Bei diesem Punkt wird es interessant. Ich beziehe mich jetzt vorerst mal auf Studien bei Degus, da diese weiter verbreitet sind, da es aber um Klima und Vegetation geht, denke ich sollte das in Ordnung sein. Bei den Degus gibt es zwei wichtige Gegenden, in denen Degus intensiv erforscht werden, die eine liegt etwa bei 30° südlicher Breite im Fray Jorge Nationalpark und liegt somit voll im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Chinchillas, die zweite in der Region von Santiago de Chile bei etwa 33° südliche Breite, damit knapp ausserhalb des vermuteten ursprünglichen Verbreitungsgebiets. Innerhalb dieser etwa 3 Breitengrade gibt es schon eine recht beachtliche Veränderung in den Niederschlägen und der Vegetation:

In Fray Jorge (30° S, 200 m) betrug der durchschnittliche Niederschlag in den 1980er Jahre etwa 127 mm (Meserve et al. 1984), zwischen den Jahren 1989 und 2006 betrug er 141.22 mm (Previtali et al. 2009) und schwankte von 11 m (La Niña Jahr 1998) und 356 mm (El Niño 2002). In diesen trockeneren Lebensräumen dominieren vor allem Säulenkakteen der Gattung Echinopsis und Puyas (beide stehen auf dem Speiseplan der Chinchillas), daneben kommen aber auch zahlreiche Sträucher vor. Kräuter sind oftmals sukkulent (z.B. Sauerklee oder gewisse Portulakgewächse) und können so der Trockenheit trotzen, ein Teil ist auch darauf ausgelegt, während den günstigen, regenreichen Monaten zu gedeihen und vor dem Absterben abzusamen und so die trockene Zeit zu überdauern. Die Regenzeit ist daher, wenn nicht gerade ein niederschlagreiches El Niño-Jahr ansteht auf die Wintermonate Juni bis September beschränkt, während diesen fallen etwa 90% aller Niederschläge (Meserve et al. 1984).

In La Desha (33° S, 900 m), einem Studienort nahe von Santiago de Chile, ist das Klima schon deutlich feuchter. Meserve und Kollegen (1984) geben durchschnittliche Niederschläge von 345 mm an - einen umfangreicheren Durchschnitt mit Minimal- und Maximalwerte ähnlich, wie ich sie für Fray Jorge angegeben habe, liegen mir leider auf die Schnelle nicht zur Verfügung. Allerdings geben Meserve und Kollegen für die trockenen Jahre 1975 und 1976 jeweils 149 mm und 189 mm an und die Niederschläge sind hier schon über deutlich mehr Monate verteilt, 90% der Niederschläge fällt zwischen Mai und Oktober. Das heisst im Vergleich zu Fray Jorge hat sich also die Regenzeit etwa verdoppelt. Auch kommt es zwischen diesen beiden Studienorten zu einer deutlichen Zunahme der Wassermengen, der dort anzutreffenden Flüsse, während sie bei Fray Jorge zu grossen Teilen noch ausgetrocknet sind, führen gegen Santiago zu immer häufiger auch kleinere Flüsse Wasser.

Da Chile relativ schmal ist, stellen der Breitengrad und die Höhe zwei relativ gute Parameter für das zu erwartende Klima und die vorkommenden Pflanzen dar, obwohl es natürlich auch hier gewisse Spielräume für abweichende Kleinklimata gibt. Etwas fällt aber bei den obigen Daten auf, der Einfluss des El Niño, der einer der Hauptgründe ist, wieso ich mich hier vor allem auf Deguliteratur stütze - dieses Wetterphänomen wurde im Zusammenhang mit Degus sehr gut erforscht, genauer gesagt handelt es sich bei den Studien um ökologische Langzeitstudien, die grundsätzlich nicht auf Degus fixiert sind, sondern auf der dort vorkommende Lebensraum, bei dem aber die Degus eine wichtige Rolle als Pflanzenfresser, Beutetier und Nahrungskonkurrent für andere Kleinsäuger spielen und daher in zahlreichen Studien ein wichtiger ökologischer Faktor darstellen, der durch Manipulation versucht wird, zu beeinflussen (hauptsächlich geschieht dies durch mit Zäune abgegrenzte Flächen, in denen entweder Degus oder Greifvögel ausgeschlossen werden, beide oder keine von beiden). In Bezug auf Degus konnten die Forscher herausfinden, dass der El Niño einen sehr starken (positiven) Einfluss auf die Degus hat: während den letzten Jahrzehnte kam es zu gehäuften El Niño Ereignissen und somit zu häufigeren Niederschlägen, die zu einer dauerhafteren kräuterreicheren Pflanzengesellschaft und damit zu besseren Lebensbedingungen führten. Während früher die Degus öfters in grossen Teilen des Fray Jorge Nationalparks ausstarben und sich nur an wasserreichen Stellen (sogenannte Aguadas) ausserhalb des Parks halten konnten, waren sie in letzter Zeit dauerhaft im Nationalpark anwesend. Der Niederschlag hatte also eine klar positive Wirkung auf ihre Häufigkeit und ihre Populationszahlen.

Bei Chinchillas gibt es leider solche genauen Studien nicht und wir wissen daher relativ wenig über sie. Es gibt allerdings einige interessante Erkenntnisse, die in den 1990er Jahre, insbesondere durch Jamie Jimenez gemacht wurden. Chinchillas bevorzugen, wie auch Degus die sonnenreicheren und trockeneren Nordhänge, doch während Degus auch an den feuchteren und kühleren Südhänge vorkommen, scheinen die Chinchillas dort zu fehlen. Ob das an den deutlich geringeren Populationsdichten hängt, welche dazu führen, dass gewisse Populationen an die Südhänge ausweichen müssen, oder ob sie diese strikt meiden unabhängig vom Populationsdruck, das lässt sich kaum beurteilen, da Chinchillas mittlerweile recht selten sind und ihre Populationen immer noch im Rückgang sind.
Wer die eher mediterranen, hügelreichen Gegenden kennt (felsiges Mittelmeer, aber auch das in Norditalien und südlichen Schweiz sich befindende Insurbien), der hat sicher schon gesehen, dass sich die Vegetation je nach Nord- oder Südhang stark unterschiedlich sein kann. So kann ein sonnenreicher Südhang eine eher trockene, wärmeliebende Vegetation aufweisen, bestehend aus Palmen, diverse Hartlaubgewächse, Mauer-Zimbelkraut, Agaven, Feigenkakteen usw. während die Nordhänge uns eher an die Vegetation Mitteleuropas anmuten. In Chile ist das ähnlich, im Lebensraum der Chinchillas (Aucó, Illapel) heisst das, die sonnenreichen Nordhänge haben eine eher trockene Vegetation bestehend aus Säulenkakteen (Echinopsis coquimbana, Echinopsis chilensis, etc.), Puya-Arten usw. und dazwischen hat es oft viel Steinen und blanken Boden während an den schattigeren Südhänge Sukkulente eher seltener sind und feuchtigkeitsliebendere Sträucher, Bäume, aber auch Kräuter und Gräser vorherschen.

Einfluss des Standorts auf die Ernährung
Aus Mangel an Diversität an Daten und Studien bei Chinchillas - es gibt nur noch an sehr wenigen Orten wilde Chinchillas und nur von Aucó bei Illapel im südlichen Bereich ihres Verbreitungsgebiets gibt es Studien. Bei den Degus zeigte sich zwischen den beiden Standorten Fray Jorge und La Desha starke Unterschiede bei der Ernährung: in Fray Jorge frassen die Degus überwiegend Blätter und Samen von Sträuchern, vor allem während der trockenen Jahreszeiten, während sie vermehrt Kräuter frassen, während der Regenzeit. Die Vielfalt an Arten war recht gross. In La Desha überwiegten dagegen zwei krautige Pflanzen: Gräser und Reiherschnabel (Erodium cicutarium) während der Regenzeit und eine Strauchart, Espino (Acacia caven) während der Trockenzeit. Hätte man nur die Daten dieser südlichen Degus zur Verfügung, könnte man gut zum Trugschluss gelangen, dass die Degus einen sehr wenig abwechslungsreichen Speiseplan hätten und sich auf wenige Arten spezialisiert hätten.
Ferner gibt es noch eine Reihe von Studien, welche eine Degupopulation untersuchten, die in einem Palmenwald bestehend aus Honigpalmen (Jubaea chilensis), wohnen. Die Honigpalme ist ebenso wie die Chinchillas stark bedroht und es gibt nur noch wenige Bestände von ihnen, obwohl sie einst grosse Teile Mittelchiles überzogen, eine verwandte Art soll sogar einst die ganze Osterinsel bedeckt haben (wurde dort aber gänzlich ausgerottet). Hier zeigten die Degus eine grosse Vorliebe für diese energiereichen Nüsse. Bis zur Entdeckung dieser Studien war ich damals der Meinung, dass Degus keine Nüsse fressen täten und stellte mich auf den Standpunkt, da wir keine Beweise hätten und man daher Nüsse nicht verfüttern solle. Dennoch machte es mich stutzig, als vermehrt Halter berichteten, wie geschickt sich ihre Degus beim Knacken von Haselnüssen und Walnüsse zeigten und ich hegte schon da der Verdacht, dass Nüsse vielleicht doch auf ihrem Speiseplan stehen könnten. Auch hier können wir wieder sehen, wie ein Mangel an Information unser Bild von der Wirklichkeit verzerren können. Natürlich bilden die Honigpalmen wie bei uns saisonal Früchte und es kommt zu einem plötzlichen grossen Angebot dieser energiereichen Samen. Die Degus können sich nun in grossen Mengen damit eindecken und legen wohl auch Vorräte an, von denen sie über mehrere Monate zehren. Ähnlich wie bei den Strauch- Gras- und Kräutersamen kommt es auch hier zu einem starken Anstieg in der Ernährung mit dem Ausdorren der Kräuterfluren und erreicht einen Tiefpunkt, wenn diese wieder anfangen zu spriessen und energiereiche, junge Triebe zu bilden. Natürlich lassen sich solche Erkenntnisse nicht 1:1 auf Chinchillas übertragen, es scheint auch so zu sein, dass Samen im allgemeinen bei Chinchillas weniger wichtig sind als bei Degus und Nüsse speziell bei Chinchillas, wenn überhaupt, dann eine sehr geringe Rolle spielen.
Aber ich erwähne das, um zu zeigen, dass es sehr überraschende Erkenntnisse geben kann, wenn genügend Forschungsmöglichkeiten da sind, die bei den spärlich vorkommenden Chinchillas stark eingeschnitten sind. Wir können daher was die Vielfalt der Gewohnheiten und Variationen angeht in grossen Teilen nur mutmassen und ähnlich wie zum Beispiel bei Fossilienfunden aus einem kleinen Stück Information uns das grössere Ganze nur versuchen vage auszumalen mit vergleichbaren Bereichen, bei denen wir mehr Informationen haben (wie zum Beispiel bei den Degus).

Einfluss des Menschen auf den Lebensraum
Ich hatte es im Zusammenhang mit den Honigpalmen schon knapp angerissen, der starke Einfluss des Menschen über die Jahrhunderte auf Vegetation und Tierwelt. Die einst reichlichen Honigpalmwälder sind heute selten geworden. Im Zusammenhang mit den Chinchillas gibt es aber neben der Abholzung ein noch deutlich schlimmeres Ereignis, die Zerstörung und Verwüstung grosser Teile des Lebensraums durch Ziegen, welche die spärliche Vegetation kahlfressen und das Land für Chinchillas unbrauchbar machen - die Nager müssen aus Nahrungsmangel verhungern. Daher kommt auch der Aufforstung eine so wichtige Bedeutung zu, der sich Amy Deane mit so viel Engagement widmet. Natürlich haben auch der Strassenbau, der Bergbau und andere menschliche Tätigkeiten zur Verwüstung der Landschaft beigetragen. Natürlich können wir nicht sagen, dass die Chinchillas von einst üppigen Wiesen in trockene, karge Gebiete gedrängt wurden, aber es ist anzunehmen, dass ihr Lebensraum einst deutlich üppiger war an Vegetation.

Chinchillakompatible Pflanzen?
Wenn man vom Standpunkt ausgehen will, dass man dem Lebensraum der Chinchillas entsprechend Pflanzen verwenden möchten, die an trockene Standorte angepasst sind, so darf man dabei nicht vergessen, dass es solche Standorte auch bei uns gibt und solche Pflanzen auch hierzulande verbreitet sind und nicht selten auch an feuchteren Standorten vorkommen. Bekannte Beispiele dafür sind eine Reihe von mediterranen Gewächse kommen auch in Mitteleuropa vor, man denke da an Salbei, Thymian, Reiherschnabel, Portulak, um nur einige zu nennen.
Dazu gibt es seit einiger Zeit auch Versuche chilenische Pflanzen hierzulande aufzuziehen. Einige Chilene haben es beispielsweise auch so schon zu uns geschafft, bei anderen Pflanzen kommen hierzulande nahe verwandte Arten vor, die oftmals auch aus anderen Erdteilen eingeschleppt wurden, beispielsweise die Nachtkerzen oder Sauerklee (z.B. Oxalis stricta), aber auch Gräser unterscheiden sich hierzulande und in Chile nicht so stark, einige von ihnen sind sich sogar nahe verwandt, so kommen zum Beispiel die Gattungen Stipa oder Bromus sowohl in Mitteleuropa, wie auch in Chile vor. Andere Arten, wie die Gerste (z.B. Hordeum murinum) wurden von Europa nach Chile eingeschleppt. Auch die heimische Kamille kommt in Chile vor und wachsen in der Region um Santiago. Dazu gibt es eine Reihe von Löwenzahnähnlichen Arten wie Gänsedisteln, Habichtskraut etc. die teilweise auch im mediterranen Raum verbreitet sind und wahrscheinlich auch in Chile anzutreffen sein dürften. Die Mariendistel beispielsweise wächst im Mittelmeerraum oft als Unkraut, während sie auch hierzulande gedeiht.
Und natürlich können wir bei uns die Augen offen halten an sonnenreichen, trockenen Standorten, welche oft eine ganz andere Pflanzengesellschaft uns offenbaren, eine Reihe von ihnen aber universell genug ist, dass sie auch an deutlich feuchteren Stellen gut wachsen. Daneben gibt es einfach auch Orte, die eine schlechte Wasserspeicherfähigkeit haben, sprich der Boden ist sehr durchlässig (Schuttplätze, Eisenbahndämme, Kiesgruben, Industriebrachen usw.), welche ebenfalls sehr gute Bedingungen für die eher trockenheitsliebenden Arten bieten.

Fazit und Zusammenfassung
Um zu verstehen, was den Chinchillas zugemutet werden kann, oder woran sie angepasst sind, müssen wir anfangen bei ihrer Herkunft und ihrem Lebensraum. Schon hier gibt es Probleme, da es eine Reihe von Literatur gibt, die es hier nicht so genau nimmt und die sehr unterschiedlichen Lebensräume von Kurz- und Langschwanzschinchillas vermischen. Erschwert wird das Ganze noch durch die Seltenheit der Chinchillas und die wenigen verbleibenden Standorte, an denen Chinchillas noch überlebt haben. Nur schon bei Degus kann sehr schön beobachtet werden, wie unterschiedlich die Bedingungen an den verschiedenen Stellen ihres Verbreitungsgebiets sein können.
Der Lebensraum der Chinchillas wird oft gerne als karg und wüstenähnlich beschrieben. Auch wenn das verglichen mit den in Mitteleuropa vorherrschenden Verhältnisse durchaus naheliegend erscheint, vergleichen wir zu einer richtigen Wüste, so ist der Lebensraum der Chinchillas sehr üppig. Schwierig ist jedoch, dass die menschlichen Aktivitäten und noch mehr grasende Nutztiere (vor allem Ziegen) dazu geführt haben, dass es enger wurde im Lebensraum der Chinchillas und die Nahrungsquellen mehr und mehr knapp werden und so das Überleben der Chinchillas nachhaltig gefährden.
Wagen wir nun den Schritt von der Ernährung der Chinchillas in der Wildnis auf die Verhältnisse in Mitteleuropa, gibt es zwar durchaus Unterschiede, sind doch die Pflanzen hierzulande grundsätzlich üppiger und weniger trockenresistent, eher knackig-saftig statt sukkulent. Doch es gibt eine Reihe von Pflanzenarten und Gattungen, die wir mit mediterranen Lebensräume nicht nur im Mittelmeergebiet, sondern weltweit, teilen. Diese zeigen, dass die Pflanzen recht anpassungsfähig sind und mit teils sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen zurecht kommen. Aber auch bei den Chinchillas scheint es eine gewisse Flexibilität zu geben, was die Futterpflanzen angeht, nehmen wir zum Beispiel den Löwenzahn, der ja recht häufig verfüttert wird und wurde, selbst zu Zeiten, als bei Züchtern Grünzeug weitgehend verschmäht wurde, so wie Ende der 1990er Jahre (man vergleiche Beiträge damals in der Chinchilla Post). Dieser ist eine der häufigsten Wiesenpflanzen hierzulande.

Können wir also aus den Umstände, wie wir sie in Chile antreffen schlussfolgern, dass Grünfutter, wie es in Mitteleuropa wächst, nicht "chinchillakompatibel" wäre? Wohl kaum, selbst wenn man in diese Richtung argumentieren möchte, müsste ankerannt werden, dass viele bei uns häufige Unkräuter und Wiesenpflanzen als Kosmopoliten weltweit verbreitet sind und/oder auch in Chile vorkommen, andererseits es aber auch wieder eine Reihe von südamerikanischen Exporte gibt, die hierzulande häufig wurden (Sauerklee, Nachtkerzen, Kressen usw.).

Literatur

Cofre, H. Marquet, P.A. 1999. Conservation status, rarity, and geographic priorities for conservation of Chilean mammals: an assessment. Biological Conservation 88: 53-68.

Meserve, P.L. Martin, R.E. Rodriguez, J. (1984): Comparative Ecology of the Caviomorph Rodent Octodon degus in Two Chilean Mediterranean-type Communities. Revista Chilena de Historia Natural 57: 79-89.

Previtali, M.A. Meserve, P.L. Kelt, D.A. Milstead, B. Gutierrez, J.R. (2009): Effects of More Frequent and Prolonged El Niño Events on Life-History Parameters of the Degu, a Long-Lived and Slow-Reproducing Rodent. Conservation Biology 24(1): 18-28.

Redford, K.H. & Eisenberg, J.F. 1992. Mammals of the Neotropics. The Southern Cone. Vol. 2. The University of Chicago Press, Chicaco/London.

Spotorno, A.E. Zuleta, C.A. Valladares, J.P. Deane, A.L. Jiménez, J.E. (2004): Chinchilla laniger. Mammalian Species 758: 1-9.

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